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Zu Pfingsten auf dem Markt der Möglichkeiten

Ein Dialog der neuen Religionen. Der Sonntagsspaziergang führt den geneigten Flaneur zu den Ausgussstellen des Heiligen Geistes. Auf einer Bank pausierend, stehen zur Linken die Jünger des gekrönten Virus Schlange am Testzentrum, die vor Freude über die ihnen zuteil gewordene Absolution ihre Masken in den Park werfen; zur Rechten stehen die Klimageddon-Propheten und mahnen frisch geheilte Sünder zum treuen ökologischen Wandel. Es hat etwas vom Kirchentag, diese mondäne Schwärmerei: Ich fühle mich wie Martin Luther, der dem Dialog zwischen der judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa...

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Wo geht’s nochmal zum Wohlgefallen?

[Lesezeit ca. 2,5 min.] Haben wir eigentlich noch einen Lockdown? Auf Deutsch sagte man wohl Ausgangssperre (das Wort zeigt, warum man lieber das nicht so verständliche Fremdwort benutzt – nagte doch sonst hartnäckig die Frage, wer mir eigentlich den Ausgang sperren dürfe – und warum? Gefahr des Denkens durch Unverständlichkeit gemildert!). Meine Frage ist aber durchaus ernst gemeint. Da ich keine Nachrichten konsumiere, geht vieles des Spektakel an mir vorüber. Als ich so aus meinem Fenster blickte und dem Frühling bei der Weigerung beobachtete, der globalen Erwärmung zu folgen, kam mir diese Frage. Und auch der wievielte Lockdown das...

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Nachtflug

Eigen ist die Stimmung der Nächte, die sich in Zeiten der Ausgangssperre über das Land legen. Merkwürdiges ist zu sehen, wenn man den Nachtflug wagt und sich auf die Straße begibt. Die Luft ist kühl und duftet nach Gras und Tau. Mag es auch die Nacht zwischen zwei freien Tagen sein, kein Mensch ist unterwegs. Kein Auto, das entgegen kommt. Kein Spaziergänger und auch hinter den meisten Fenstern ist es dunkel. Du fährst durch endlose Alleen, deren Bäume gleichgültig die Kronen in den schwarzen, ungestirnten Himmel recken. Das Rauschen der Blättern hebt an und klingt nach Abschied… nur wovon?...

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Steine mahnen

[Lesezeit ca. 2,5 min.] Seit dem späten Mittag beschossen die Franzosen den Gutshof La Haye Sainte mit den Haubitzen ihrer schweren Artillerie. Die Luft war erfüllt von Pulverdampf, vom Staub aufgewirbelter Erde und den Schreien der Sterbenden und Verletzten. Die 3. leichte Division der King’s German Legion schmolz unter dem Blick ihres Kommandeurs dahin, bis von den vormals 400 Mann nur noch 42 den Hof mit ihren Gewehrkolben verteidigten. Es war 18.00 Uhr als sich Wellingtons Männer zurückzogen, doch die Franzosen waren zu spät, denn – wie der Duke gehofft hatte – die Preußen waren gekommen. Der zwanzigste April...

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Auf der Marschbahn nach Norden

Kleiner Grenzverkehr in Pandemie-Zeiten Die Zeiten des Reiseverbotes und des Daheim-Büros wecken die Reiselust nichtsdestoweniger.  Da der Spontan-Massentourismus nach Malle seinen Reiz nicht wirklich entfalten möchte, entschied ich mich für eine traditionsreiche Bahnfahrt: Auf der echten(!) Marschbahn gen Norden. Dies sei kurz notiert, denn gemeinhin endet die Reise mit dem Zug in Westerland auf Sylt. Mein Ziel jedoch atmet dignierte Geschichte: Zu Kaisers Zeiten führte sie von Niebüll aus nach Tondern weiter. Bis heute gibt es in Tondern mehrere Einrichtungen der deutschsprachigen Minderheit in Nordschleswig: Eine deutsche Kirche, eine Bibliothek, einen Kindergarten und eine Schule. Außerdem ist Tondern die...

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